Ultra Africa Race in Mosambik: Laufen für die Kinder in Maputo

Vom 5. bis 9. November 2017 wird Dr. Andrea Löw beim Ultra Africa Race in Mosambik in fünf Etappen 220 Kilometer mit knapp 4000 Höhenmetern laufen. Sie möchte dabei Spenden für das Sozialprojekt der BFV-Sozialstiftung sammeln. Die passionierte Langstreckenläuferin freut sich, wenn sie ihre sportliche Höchstleistung mit einer kleinen Spende unterstützen kann. Dies kann ein runder Betrag sein oder aber eine bestimmte Summe pro gelaufenem Kilometer.

„Die Spendenaktion von Dr. Andrea Löw ist großartig und eine tolle Möglichkeit, um weitere notwendige Spendengelder für unsere Stiftungsarbeit zu generieren“, bedankt sich Prof. Dr. Manfred Heim, Vorstandsvorsitzender der BFV-Sozialstiftung.

Wir haben mit der Ultraläuferin Andrea Löw über ihr Hobby, ihre Ziele und Beweggründe für den über 220 Kilometer langen Lauf durch Mosambik gesprochen.

Frau Löw, was hat Sie zu Ihrer Leidenschaft, dem Laufen, inspiriert? Haben Sie Vorbilder?

In meiner Jugend habe ich Basketball gespielt, dann habe ich einige Jahre lang keinen Sport gemacht. Vor mehr als zehn Jahren, als ich 30 war, sollte ich an der Hüfte operiert werden. Ein zweiter Arzt sagte, ich solle lieber vernünftig Sport machen und Muskulatur aufbauen. Damals habe ich mit dem Laufen begonnen. Im Laufe der Zeit wurde es immer mehr.

Zur Frage der Vorbilder: Mich haben immer wieder Ausdauersportler inspiriert, die sich etwas getraut und ihre Grenzen verschoben haben. Das sind mehrere, zuletzt aber sicher Rafael Fuchsgruber, durch den ich überhaupt erst dazu gekommen bin, in der Wüste zu laufen.

Wie viel Zeit verbringen Sie am Tag mit dem Laufen?

Das variiert, je nachdem, wofür ich gerade trainiere. Im Winter kann es auch mal vorkommen, dass ich nur dreimal die Woche eine Stunde laufe. Momentan, in der Vorbereitung auf ein Rennen wie das in Mosambik, laufe ich meist sechs Mal die Woche zwischen einer Stunde und fünf bis sechs Stunden, wobei die langen Läufe natürlich am Wochenende stattfinden müssen.

Was gefällt Ihnen besser, in der Wüste oder im Gebirge zu laufen?

Das ist sehr unterschiedlich, aber ich mag beides furchtbar gern. In beiden Fällen fasziniert mich die die Schönheit und Gewaltigkeit der Natur. Das lässt mich oft sprachlos dastehen und staunen. Manchmal kommen mir die Tränen, weil ich ganz überwältigt bin. Ich selbst mit all meinen Alltagssorgen bin dann plötzlich ganz klein. Ich finde beides faszinierend, aber in der Wüste hatte ich noch mehr das Gefühl, ganz bei mir, ganz ruhig zu sein.

Welche Ihrer bereits absolvierten Läufe war für Sie bislang das Highlight?

Das Sahara Race in Namibia Anfang Mai dieses Jahres war sicherlich ein Highlight. Ich habe vorher schon Etappenrennen in den Bergen absolviert und war auch mal zwei Tage im Atlasgebirge in Marokko laufend unterwegs, was absolut faszinierend war. Aber in Namibia waren wir eine Woche lang zusammen, knapp 100 Läuferinnen und Läufer aus 39 Nationen, eine wahnsinnige Gemeinschaft. Das Leben war völlig reduziert auf Essen, Laufen, Schlafen, zwischendurch mit anderen Läufern am Lagerfeuer sitzen und reden. Ohne Internet, ohne Telefon, nichts zu lesen, keine Dusche. Zu essen gab es nur das, was in meinem Rucksack war – das war sehr befreiend. Es war auch wahnsinnig anstrengend, meine Füße waren ziemlich kaputt, aber umso schöner war der Moment, in dem ich nach 250 Kilometern ins Ziel eingelaufen bin. Sehr emotional, sehr bewegend. Ich denke sehr oft an diese eine Woche.

Das Ultra Africa Race ist ja bereits Ihr 17. Lauf in diesem Kalenderjahr. Wie viele Läufe sollen es bis Ende 2017 noch werden?

Oh, ich habe meine Läufe gar nicht gezählt, ich weiß es nicht. Den einen oder anderen langen Wettkampf werde ich sicher noch in der Vorbereitung für Mosambik machen. Danach ist erstmal Pause.

Ist es Ihnen bereits gelungen, Personen aus Ihrem Familien- und Freundeskreis von Ihrer Leidenschaft zu überzeugen und sie zum Mitmachen zu bewegen?

Zum Glück läuft mein Freund sehr oft mit mir, wenn auch nicht die ganz langen Distanzen. Aber zum Beispiel in Marokko war er dabei. Gerade für die langen Läufe am Wochenende ist das sehr schön, wenn wir diese zumindest teilweise zusammen laufen. Denn das ganze kostet ja schon sehr viel Zeit. Manche Arbeitskollegen konnte ich motivieren, mit dem Laufen zu beginnen. Im Freundeskreis ist es eher so, dass ich viele gute Freunde über das Laufen überhaupt erst kennengelernt habe – die musste ich nicht mehr begeistern. Aber um Menschen für das Laufen, und überhaupt für mehr Bewegung draußen in der Natur (das kann ja jede Art von Outdoor-Sport sein, ich wandere auch sehr gerne) zu begeistern, habe ich seit einigen Jahren einen Blog (www.runninghappy.de), bin in sozialen Medien aktiv und habe auch eine Trainerausbildung gemacht.

Wie sind Sie auf die BFV-Sozialstiftung gekommen und was genau begeistert Sie an unserem Projekt?

Ehrlich gesagt, bin ich ganz zufällig auf das Projekt aufmerksam geworden. Ich gehe meist zu Fuß zur Arbeit und komme dabei am Haus des Fußballs vorbei. Eines Morgens habe ich plötzlich das Plakat zum Projekt in Mosambik entdeckt und war sofort begeistert, denn kurz vorher hatte ich mich zum Ultra Africa Race angemeldet. Ich mag die Verbindung von Sport und Bildung in dem Projekt, beides ist so wichtig für Kinder. Und dann habe ich gesehen, wie viel schon erreicht wurde vor Ort, das ist phantastisch. Mir war sofort klar, dass ich das Projekt unterstützen möchte.

Sie haben ja schon einmal für eine soziale Organisation Spenden durch einen Lauf gesammelt. Welche Institution haben Sie damals unterstützt und waren Sie mit dem Ergebnis zufrieden?

Ja, ich habe vor einigen Jahren mit meinem damals längsten Lauf, einem 80-Kilometer-Lauf an der Zugspitze (mit 4000 Höhenmetern im Auf- und Abstieg) eine Spendenaktion verbunden. Damals habe ich für ein Projekt gesammelt, das Kinder in München unterstützt, und war sehr positiv überrascht, wie viele sich dafür begeistern ließen.

Sie sind bestimmt schon voller Vorfreude auf Mosambik. Fühlen Sie sich bereits gut gerüstet und vorbereitet für den Ultralauf über 220 Kilometer?

Ich bin voller Vorfreude und auch sehr aufgeregt. Die Zeit rast, ich muss noch so viel erledigen: Die Ausrüstung ist noch nicht vollständig (ich muss ja alles, was ich in den fünf Renntagen brauche, in meinem Rucksack dabei haben, wir bekommen nur Wasser und Zelte gestellt, die Ausrüstung muss gut und leicht sein), ich muss mich noch um ein Attest (mein Arzt muss bescheinigen, dass nichts gegen meine Teilnahme spricht) und das Visum kümmern, vor allem muss ich noch sehr, sehr viel trainieren in der verbleibenden Zeit. Besonders die an mehreren Tagen aufeinander folgende Belastung (lange Distanzen mit schwerem Rucksack) muss trainiert werden. Aber ich denke schon, dass ich gut vorbereitet sein werde, wenn ich am 1. November in das Flugzeug steige.

Waren Sie zuvor schon einmal in Mosambik?

Nein, ich war noch nie in Mosambik. Ich war bereits in Ostafrika, habe vor einigen Jahren Uganda, Sambia und Malawi bereist. Nun bin ich sehr gespannt auf Mosambik, zumal ich die Erfahrung gemacht habe, dass ich Regionen, die ich mir erlaufe, sehr, sehr anders wahrnehme, als wenn ich sie „normal“ bereise. Das wird sicherlich bei meinen 220 Kilometern in Mosambik auch so sein. Ich bin wahnsinnig gespannt.

Gibt es noch Orte auf dieser Welt, die Sie ebenfalls durch Laufen erkunden möchten?

Zu viele, als dass ich sie hier aufzählen könnte… Im Ernst, mich reizt da so viel, ich möchte mir die Welt erlaufen.

Gab es schon mal einen Zeitpunkt, an dem Sie ans Aufhören gedacht haben?

Sie meinen, insgesamt mit dem Laufen aufhören? Nein, das gab es noch nicht. Natürlich kenne ich den inneren Schweinehund, habe nicht immer Lust zu laufen. Auch gibt es in vielen Ultraläufen natürlich auch für mich den Punkt, wo es weh tut, wo es sehr schwer ist, weiterzulaufen. Aber in den meisten Fällen habe ich diesen Punkt bisher überwunden. Und ganz aufhören – nein, daran habe ich noch nie gedacht.

Was machen Sie eigentlich beruflich? Haben Sie dafür neben dem Laufen auch genügend Zeit? :)

Ich bin promovierte Historikerin, arbeite hier in München am Institut für Zeitgeschichte. Das ist ein sehr zeitintensiver und fordernder Beruf, in dem ich auch sehr viel reise. Aber auch das ist meine Botschaft: Gerade dann ist Laufen wichtig, der Mensch ist einfach nicht dazu gemacht, den ganzen Tag zu sitzen. Wenn ich mich nicht ausreichend bewege, bekomme ich Rückenschmerzen, bin unausgeglichen etc. Ich arbeite besser und effektiver, wenn ich viel laufe. Und das Schöne am Laufen ist doch auch, dass es überall geht. Ich nehme meine Laufsachen auf jede Dienstreise mit und laufe morgens früh vor Besprechungen oder Konferenzen. Das ist herrlich.

Haben Sie neben Ihrer Laufleidenschaft noch weitere Hobbys?

Ich lese sehr gern, treffe mich gern mit Freunden (und dabei esse ich gern und viel und mag auch sehr gern ein gutes Glas Rotwein), ich liebe außerdem Theater – das ist zuletzt durch das viele Training allerdings etwas zu kurz gekommen. Außerdem bin ich, auch nicht laufend, einfach gern draußen unterwegs, gehe sehr gern wandern.

Was können Sie Anfängern bei Ihren ersten Läufen mit auf den Weg geben, zum Beispiel in Bezug auf Training, passende Laufrouten, Ernährung…?

Ich rate jedem Anfänger, es nicht zu übertreiben, nicht zu viel von sich zu verlangen, das kann sehr schnell demotivieren. Viele laufen übermotiviert viel zu schnell los, können dann sehr bald nicht mehr und sind frustriert. Langsam anfangen, gerne auch mal Gehpausen machen (nein, das ist nicht uncool, ich mache das auch!), langsam die Umfänge steigern, die Sehnen und Gelenke müssen sich langsam an die neue Belastung gewöhnen. Wichtig ist es auch, die Muskulatur zu stärken, die durch das Laufen nicht trainiert wird, die wir aber für einen ordentlichen Laufstil brauchen: die Rumpfmuskulatur. Pilates und Yoga sind zum Beispiel tolle Sportarten für Läufer.

Laufrouten? Ach, da gibt es so viele, einfach die Schuhe an und los, ich selbst bin zwar so gern in der Natur unterwegs (in München laufe ich gern an der Isar), aber auch Urban Running, also das Laufen mitten durch die Stadt, ist ganz wunderbar und macht irre viel Spaß. Für die Anfangsmotivation ist es auch toll, sich einem Lauftreff anzuschließen, es macht einfach Spaß, mit anderen zu laufen und motiviert, immer wieder hinzugehen. Ich selbst bin beispielsweise Trainerin bei den URBAN RUNNERS MUNICH, die sich jeden Mittwochabend um 19.30 Uhr am Lenbachhaus, direkt am Königsplatz, treffen.

Für die Motivation ist es außerdem super, sich recht bald für einen kleinen Wettkampf anzumelden, das hilft sehr dabei, sich zum Training aufzuraffen. Es gibt in und um München sehr viele 5 Kilometer-Läufe, das ist eine tolle Sache.

Und zur Ernährung: Ich bemühe mich, sehr ausgewogen zu essen, viel Obst und Gemüse, Fisch und gutes Fleisch. Ich bin da aber nicht so verbissen, wenn ich Lust auf Eis habe, esse ich das auch. Ich glaube, auch hier kommt es auf ein gutes Mittelmaß an: auf eine gute, ausgewogene Ernährung achten, sich aber auch nicht alles verbieten, sonst vergeht die Lust gleich wieder. Ich habe bei mir selbst beobachtet, dass mein Körper, wenn ich viel trainiere, auch mehr gutes und gesundes Essen verlangt.

Kurzum: Loslaufen, Spaß haben, Freude an der Bewegung!

Vielen Dank für Ihre Zeit und Ihr großartiges Engagement, Frau Löw!

Blog: www.runninghappy.de 

Instagram und Twitter: @alrunninghappy

Facebook: https://www.facebook.com/runninghappyhappy/

Das Spendenkonto der BFV-Sozialstiftung

BFV-Sozialstiftung
Kennwort: Ultra Africa Race
IBAN: DE44700400480793849100
BIC: COBADEFFXXX
Commerzbank AG

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