Mosambik-Besuch: Hilfe zur Selbsthilfe

Eine attraktive Ligenstruktur, die für jeden Klub die passende Spielklasse bereithält. Ein Passwesen, das Vereinswechsel und Neuanmeldungen schnell und zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk organisiert. Eine moderne Medienarbeit mit Liveticker, Livestreams und einer eigenen Online-Sportschau für die hauseigene Amateur-Spitzenliga. Ein professionelles Marketing und Sponsoring, das Gelder für Schulungen und Fortbildungen akquiriert. Ein engmaschiges Talentfördersystem mit eigenen BFV-Nachwuchsleistungszentren, das talentierten Mädchen und Jungs die gleiche Chance auf eine Karriere im Fußball ermöglicht und dafür sorgt, dass die deutschen Nationalmannschaften zur Weltspitze gehören. Wie professionell im bayerischen Amateurfußball seit Jahren gearbeitet wird, davon konnte sich in den vergangenen acht Tagen eine zwölfköpfige Delegation aus Mosambik ein Bild machen. "Ich glaube, es ist wichtig deutlich zu machen, dass wir Fußballer nicht nur an uns selbst denken. Wir erwarten, dass wir in vielfacher Hinsicht unterstützt werden: In den Kommunen, in Infrastrukturmaßnahmen, mit vielfältiger Aufmerksamkeit. Wir müssen deshalb aus meiner Sicht auch dazu bereit sein, etwas zurückzugeben und uns als Fußballgemeinde einzubringen", erklärt BFV-Präsident Rainer Koch.

Einblick in die Arbeit des BFV

Wie ist in einem der ärmsten Ländern der Erde der Aufbau einer Klubstruktur möglich? Wie können ehrenamtliche Strukturen für diese Klubs und Projekte geschaffen werden? Welche Rolle spielen Organisationen wie die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)? Wie können die Projekte mit den einzelnen Schulen und dem Schulsystem verzahnt werden? Wie ist der Aufbau von Talentförderung und auch Mädchenfußball-Angeboten möglich? Unter anderem mit diesen Fragen setzte sich die Delegation mit Verantwortlichen des mosambikanischen Fußballklubs "Associaciao Desportiva De Albasine", dreier örtlicher Grundschulen, Fußballtrainerinnen und -trainern sowie Hannes Bickel von der GIZ in Mosambik und Friederike Kärcher vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) auseinander. Aber natürlich kam auch der Fußball nicht zu kurz: An der Sportschule Oberhaching gaben die BFV-Verbandstrainer Patrick Irmler und Sabine Loderer praktische Tipps zur Organisation eines modernen und altersgerechten Fußballtrainings - und beeindruckten die Gäste aus Afrika: "Die Trainer arbeiten hier auf dem Platz hochprofessionell und sind voll fokussiert auf das Training. Das läuft alles sehr strukturiert ab. Das ist natürlich eine Frage der Kompetenz, aber auch des Selbstbewusstseins und der Stärke eines Trainers. Diese Erfahrungen nehme ich natürlich mit und lasse sie in meine Arbeit einfließen", erklärte Pinto Pereira De Barros, Cheftrainer des Fußballklubs Associaciao Desportiva De Albasine.

Zudem bekamen die Teilnehmer bei einem Besuch an der Georg-Kerschensteiner-Grundschule in Forstinning einen Überblick über die bayernweiten Fußballaktionstage an Schulen unter dem Motto "BallHelden". Der Honorarkonsul der Republik Mosambik, Siegfried Lingel, der sich seit langem persönlich für Mosambik engagiert, lud die Delegation zu einem kleinen Empfang ein. Ausflüge ins Umland (u.a. Tegernsee), eine Führung durch die Allianz Arena und der Besuch des Regionalligaspiels zwischen dem FC Unterföhring und dem FC Bayern München II (2:2) rundeten den Besuch in Bayern ab und ließen Raum für Gespräche und Diskussionen abseits der Seminarräume.

"Hilfe zur Selbsthilfe"

Das Sozialprojekt Mosambik besteht bereits seit 2005. Unter anderem hat der BFV in Albazine Jugendtrainer ausgebildet, in Kooperation mit dem Projekt "Youth Development through Football (YDF)" der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) Workshops zu Themen wie Aids-Prävention oder Kinderrechte angeboten, Grundschulen mit Möbeln und Sportausrüstung ausgestattet, die Sportakademie in Namaacha mit Computern ausgerüstet und Fußballfeste auf dem vom Bayerischen Fußball-Verband in Albazine errichteten Sportplatz organisiert, der in kürze saniert wird. "Unser Ziel ist es, im Sinne unserer sozialen und gesellschaftspolitischen Aufgaben eines der ärmsten Länder der Welt mit finanziellen und materiellen Hilfeleistungen beim Aufbau von grundlegenden Strukturen zu unterstützen. Uns geht es dabei in erster Linie um die vielen Kinder und Jugendlichen, die in Mosambik in sehr armen Verhältnissen unter sehr schlechten Hygiene-, Ernährungs- und Wohnbedingungen leben, kaum Bildungschancen haben und barfuß Fußball spielen müssen. Für sie wollen wir mit Hilfe der bayerischen Fußballfamilie weitere Projekte in Mosambik initiieren", sagte Rainer Koch. Dass bereits erste sportliche Erfolge der Kooperation sichtbar sind, zeigt die Nominierung zweier Jugendlicher für mosambikanische Jugend-Nationalmannschaften.

Weitere Stimmen

Sérgio José Mulhovo, Präsident des Fußballklubs Associaciao Desportiva De Albasine (ADA): Mosambik ist ein Entwicklungsland, Deutschland eine Industrienation. Das wusste ich natürlich schon vorher, dennoch bin ich beeindruckt von der Infrastruktur und den Möglichkeiten hier. Dahin zu kommen ist vor allem eine Frage der Mentalität. Mit den Eindrücken und Erfahrungen dieses Besuchs müssen wir genau da bei unseren Mitarbeitern vor Ort anknüpfen.

Friederike Kärcher, Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ): Wir setzen Sport für Entwicklungshilfe ein, weil wir damit insbesondere mit jungen Leuten zusammenarbeiten können, die eine unserer wichtigsten Zielgruppen sind. Gerade in Afrika, wo es eine sehr hohe Jugendarbeitslosigkeit gibt. Wir nutzen den Sport, um ihn an Bildungsmöglichkeiten zu koppeln und arbeiten eng mit Schulen zusammen. Wir verbinden beispielsweise ein Fußballtraining mit einer Hausaufgabenhilfe oder einer Berufsbildungsbörse. Wir klären auf über HIV/AIDS-Prävention und Gesundheitsförderung. Wir fördern über den Sport auch sogenannte "life skills".

Coleta Simango, Schulleiterin der Grundschule Albasine (EPC): Ich hoffe, dass wir die mit der Unterstützung des Bayerischen Fußball-Verbandes aufgebaute Bibliothek weiter ausbauen können. Es wäre eine große Hilfe für die Schüler, aber auch für die Lehrer. Natürlich wäre es toll, wenn wir es schaffen, dass unsere Lehrer einen eigenen Raum bekommen, indem sie sich vorbereiten können.

Die Presseabteilung des BFV hat einen kurzen Film zum Besuch der mosambikanischen Delegation gedreht, der unter folgendem Link aufgerufen werden kann: bit.ly/2uQN7il

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