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"Ich würde das auf alle Fälle empfehlen. Das nimmst du mit für dein Leben"

Auftakt unserer Interviewserie: Von Mosambik in die Profifußball-Welt - ehemalige Auswahlspieler erzählen von ihren Erfahrungen in Afrika.

Von 2006-2013 hat der Bayerische Fußball-Verband regelmäßig einen Austausch mit unserem Partner-Projekt in Mosambik realisiert. In diesem Zuge ist die U16 Bayern-Auswahl jedes Jahr in den Faschings-Ferien für eine Woche nach Mosambik gereist, hat unsere Sozialprojekte besucht und Spiele gegen die mosambikanische Auswahl bestritten. Einige dieser Spieler haben es tatsächlich geschafft und haben mittlerweile im Profifußball in Deutschland und im europäischen Ausland Fuß gefasst. Doch wie haben diese Spieler die Zeit in Mosambik damals erlebt? Was waren die prägendsten Erfahrungen? Und konnten sie für ihre zukünftige Karriere noch etwas dazulernen? Diese und viele weitere Fragen werden wir in den kommenden Wochen einigen der ehemaligen Auswahlspieler stellen. Falls Sie darüber hinaus noch mehr über unser Engagement in Mosambik wissen möchten, klicken Sie einfach auf diesen Link.

Den Start der Interviewserie macht am ersten Adventssonntag Tobias Pachonik. Der ehemalige Nürnberger spielt derzeit bei VVV-Venlo in der ersten niederländischen Liga und kam vor kurzer Zeit auf uns zu, um seine unzähligen alten Fußballschuhe an das Partner-Projekt in Mosambik zu spenden. Der mitlerweile 25-Jährige wollte die alten Schuhe nicht einfach wegschmeißen, sondern auch in diesen Zeiten „etwas zurückgeben“. Im Zuge dieser Spendenaktion konnten wir auch ein kurzes Interview mit Tobias führen.

Weitere Informationen zu Tobias Pachonik findet ihr auch auf seinem Instagram-Account.

 

BFV-Sozialstiftung: Hallo Tobias, du warst 2011 in Mosambik, wie alt warst du damals? Bei welchem Verein hast du damals gespielt?

Tobias Pachonik: 2011 war ich 15, da bin ich gerade zum 1. FC Nürnberg gewechselt, davor war ich bei der TSG Tannhausen und davor in meinem Heimatdorf Marktoberdorf im Verein.

War die Reise nach Mosambik damals deine erste große Fernreise?

Ja, auf die Distanz definitiv, wir sind damals über Lissabon geflogen. Der Flug hat, glaube ich, 14 Stunden gedauert, das war meine längste Fernreise sogar bis heute.

Warst du auch ein bisschen nervös als es endlich losging?

Nervös nicht, ich habe mich eigentlich mehr gefreut. Mit dem BFV hatten wir immer super Fahrten, deswegen überwog die Vorfreude mehr.

Waren deine Klassenkameraden damals sogar vielleicht ein bisschen neidisch auf dich?

Ich war auf einer Sportschule, da waren die anderen Klassenkameraden auch selbst immer viel unterwegs. Natürlich haben sie mich danach auch gefragt wie es war usw., aber Neid oder so etwas habe ich nicht gespürt. (lacht)

Wieviel wusstest du schon über das BFV-Projekt in Mosambik? Was waren deine Kenntnisse darüber?

Ich kannte das BFV-Projekt schon vorher, weil ich darüber auch schon in der Sportschule Oberhaching immer wieder gelesen habe, aber ich muss ehrlich zugeben, was genau gemacht worden ist, wusste ich damals noch nicht.

Was waren deine Erwartungen an die Reise für dich selbst?

Also ich war wirklich komplett unbeschrieben und einfach sehr gespannt. Ich war vorher noch nie in Afrika und wollte einfach mal sehen, wie es ist und alles auf mich wirken lassen.

Was waren deine ersten Eindrücke vor Ort?

Das Erste woran ich mich noch erinnern kann, waren die krassen Temperaturunterschiede als die Flugzeugtür aufging und es auf einmal 30 Grad waren, das hat mich getroffen wie ein Schlag. Wir sind damals im Februar geflogen, da lag in der Heimat noch Schnee. Und auch auf dem Weg ins Hotel habe ich immer aus dem Fenster geschaut, weil es einfach eine komplett neue Erfahrung war und da habe ich versucht, so viel wie möglich aufzusaugen.

Wie war denn die ganze Reise? Wie lang ward ihr dort?

Wir waren eine Woche da und die ersten Eindrücke waren schon echt cool. Wir haben in Bungalows gewohnt und hatten auch immer super Frühstuck und eine echt gute Betreuung vor Ort.

Ihr hattet wahrscheinlich auch einen relativ eng getakteten Zeitplan? Oder hattet ihr auch ein bisschen Freizeit?

Wir hatten schon auch etwas Freizeit: Wir haben Märkte besucht oder haben eine Bootstour auf eine Insel gemacht. Da sah es aus wie im Paradies mit weißen Strand und türkisen Wasser. Prompt habe ich mir dann auch direkt einen schönen Sonnenbrand geholt. (lacht) Wir hatten auch zwei Spiele, haben uns die Sportschule und das Projekt vor Ort angeschaut. Dazu waren wir dann auch im Stadion und haben ein Spiel geguckt, von der ersten Liga glaube ich. Dazu konnten wir eine Krokodilfarm besuchen. Also wir hatten schon sehr, sehr viele schöne Erlebnisse.

Weißt du auch noch wie die Spiele ausgegangen sind?

Ich glaube, dass wir ein Spiel gewonnen haben und eins unentschieden gespielt haben. Also körperlich waren sie [Anm.: die mosambikanischen Spieler] wirklich überlegen. Sie hatten eine unfassbare Athletik und Ausdauer. Eigentlich war ich bei uns immer einer der Athletischsten und Fittesten, aber da war ich echt beeindruckt. Physisch waren sie uns definitiv einiges voraus. Auch mit den klimatischen Bedingungen war es sehr schwierig. Bei teilweise 40 Grad war ich dann schon nach dem Aufwärmen platt und im Spiel war ich dann auch nur noch am Hecheln. Auch technisch haben die mosambikanischen Jungs uns echt viel abverlangt.

Wie habt ihr euch verständigt?

Wir haben es versucht, aber es war eigentlich alles mehr oder weniger mit Händen und Füßen und halt Gestik. So richtig konnten wir uns nicht verständigen.

Wir waren auch einmal in einer Schule und das war Wahnsinn, wie sich die Kinder da gefreut haben. Als wir gekommen sind haben wir zusammen gesungen, waren auf dem Fußballplatz, da sind dann wirklich alle zusammengekommen. Das war extrem herzerwärmend zu sehen, wie die kleineren Kinder sich dann gefreut haben uns zu sehen.

Hast du noch irgendwelche Erinnerungen aufgehoben, zum Beispiel ein Programmheft oder Ähnliches?

Also meine Eltern haben zu Hause auf jeden Fall noch ganz viele Fotos, ob sie das Programmheft noch haben weiß ich nicht genau.

Für deine Eltern war die Reise bestimmt auch etwas Besonderes, oder?

Ja für die Eltern, vor allem für meine Mutter war es auch sehr aufregend, den Sohn so lange und so weit entfernt zu sehen. Für meinen Vater war es aber natürlich auch aufregend.

Wie hast du die Kinder vor Ort erlebt?

Extrem glücklich und strahlend. Es ist wirklich beeindruckend wie die Kinder mit so wenig, so viel Freude ausstrahlen können.

Würdest du sagen, die Reise hat dir auch was für das Leben gebracht?

Extrem, auf jeden Fall. Durch die Reise bin ich in mich gegangen und wenn ich mir überlege, wie glücklich diese Kinder sind, ist das einfach unglaublich. Wenn man das vergleicht mit dem, was wir alles haben und über welche Sachen wir uns teilweise aufregen. Und wenn ich dann zurückdenke, merke ich, wie oft man sich über etwas beschwert, was eigentlich gar keine Rolle spielt.

Denkst du es hat dir auch fußballerisch etwas gebracht?

(lacht) Also danach war ich definitiv ready für heiße Spiele. Wir haben dort nicht so viel trainiert, die Umstellung war echt extrem von fünf Grad und Schnee zu 35 Grad und Sonne. Wie gesagt nach dem Warmmachen hatte ich einen feuerroten Kopf.

Was waren deine Vorstellungen von Mosambik?

Über das Fernsehen hatte ich schon gewisse Vorstellung, wie die Landschaft in Afrika aussieht, das hat mich dann auch extrem beeindruckt als wir da waren. Das war schon so, wie ich mir das vorgestellt habe, oder sogar noch schöner. Wir haben da teilweise ein Meter entfernt von Krokodilen gestanden, das war schon beeindruckend. Von der Kultur und den Menschen wusste ich kaum etwas, da hatte ich wenig Vorstellungen.

Hattest du Vorurteile gegenüber Afrika oder Mosambik, die sich vielleicht widerlegt haben?

Nein, eigentlich nicht. Wie gesagt, ich war sehr offen und habe mich sehr gefreut. Wir mussten uns vorher natürlich z.B. impfen, aber da hatte ich jetzt keine Sorgen, dass ich mir irgendetwas einfange oder so.

Hast du vielleicht noch Kontakt zu jemanden, den du damals kennengelernt hast?

In Mosambik selber nein, da war es sehr schwer Kontakt mit den Spielern aufzunehmen, aber vielleicht haben die anderen Spieler aus der Bayern-Auswahl noch Kontakt

Vielleicht ergibt es sich ja, dass du nochmal nach Mosambik reisen kannst.

Ja, ich wäre auch gerne bei der Übergabe [Anm.: Tobias Pachonik hat eine Vielzahl an Fußballschuhen gespendet] dabei, aber für mich ist es terminlich leider überhaupt nicht möglich. Ich hoffe trotzdem, dass alle sich über die Schuhe freuen.

Denkst du noch manchmal an die Reise zurück?

In letzter Zeit auf jeden Fall öfter. Ich habe wie gesagt fast nur positive Erinnerungen an die Reise und rufe mir auch echt oft ins Gedächtnis, wie die Leute mit dem umgehen, was sie haben. Je älter ich werde, desto mehr weiß ich das eigentlich zu schätzen. Das ist für mich einfach extrem inspirierend.

Also würdest du empfehlen, dass so ein Austausch wieder ins Leben gerufen wird? Kann das für alle Austauschspieler eine gewinnbringende Erfahrung sein?

Definitiv, in diesem Alter war das für uns eine extrem wichtige Erfahrung. Man hat natürlich noch nicht sofort realisiert, wie viel einem das wirklich gebracht hat. Das kam alles erst später, aber ich würde das auf alle Fälle empfehlen. Das nimmst du mit für dein Leben. Du bist auch nicht in irgendeinem Hotelresort und siehst nichts von Land und Leuten, sondern du gehst ins Land und lernst die Kultur und die Menschen richtig kennen.

Gibt es einen besonderen Moment, den du nie wieder vergessen wirst?

Einen rauszupicken ist nicht ganz einfach, aber als wir an der Schule angekommen sind und alle sich gefreut haben und wir zusammen gesungen und Fußball gespielt haben, das war schon prägend. Die Kinder haben da teilweise mit offenen Sandalen Fußball gespielt - das war unfassbar. Wenn du dir überlegst, wenn bei uns ein kleiner Riss im Schuh ist, sagst du direkt, das geht nicht mehr. Die Schule war schon ein sehr besonderer Moment. Man kann das schwer beschrieben. Das muss auch selber erleben.

Vielen Dank für deine Zeit und das Interview, Tobias. Wir wünschen dir für die Zukunft viel Erfolg und Gesundheit!

(Bild: Daniel Jungblut)